25.06.2026
Weltweit erste klinische Studie zu neuartigen CAR-Immunzellen gegen das Glioblastom
Das Glioblastom gehört zu den aggressivsten Hirntumoren bei Erwachsenen. Trotz Operation, Bestrahlung und Chemotherapie wächst der Tumor bei vielen Patientinnen und Patienten wieder weiter und es gibt bisher keine kurativen Therapien. Neue Behandlungsansätze werden deshalb dringend benötigt. Mit der klinischen Studie MIRACLE untersucht ein Forschungsteam des Universitären Krebszentrums Zürich (CCCZ) eine neuartige Immuntherapie, die direkt im Tumorbereich wirken soll.
Körpereigene Immunzellen gegen Krebs aktivieren
Im Zentrum der Studie stehen sogenannte CAR-Immunzellen. Dabei handelt es sich um körpereigene Abwehrzellen, die aus dem Blut gewonnen und im Labor so verändert werden, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und bekämpfen können. Anschliessend werden die veränderten Zellen wieder in den Körper zurückgeführt.
Solche Zelltherapien haben bei bestimmten Blutkrebserkrankungen bereits grosse Fortschritte ermöglicht. Bei Hirntumoren wie dem Glioblastom ist die Situation jedoch deutlich schwieriger.Ein Grund dafür ist die besondere Umgebung des Tumors: Glioblastome können das Immunsystem stark bremsen und sich dadurch vor Angriffen schützen. Zudem dauert die Herstellung klassischer CAR-Zelltherapien oft mehrere Wochen. Für Patientinnen und Patienten mit schnell fortschreitender Erkrankung kann das zu lange sein.
Herstellung innerhalb weniger Stunden
Die MIRACLE-Studie setzt deshalb auf eine neue Technologie. Mithilfe von mRNA werden Immunzellen so programmiert, dass sie Tumorzellen erkennen und gleichzeitig entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen. Diese Botenstoffe sollen helfen, die Abwehrreaktion im Tumor zu verstärken und weitere Immunzellen zu aktivieren.
Ein wichtiger Vorteil: Die Zellen können innerhalb weniger Stunden hergestellt werden. Dafür werden den Patientinnen und Patienten eigene Immunzellen aus dem Blut entnommen, im Labor mit mRNA ausgestattet und anschliessend wieder eingesetzt. Anders als bei vielen bisherigen Verfahren ist keine lange Zellkultur notwendig.
Direkte Behandlung im Tumorbereich
Die Studie richtet sich an Patientinnen und Patienten mit wiederkehrendem Glioblastom, bei denen nach der Standardtherapie eine weitere Operation möglich ist. Während der Operation wird ein kleines Reservoir mit einem Katheter eingesetzt. Über dieses System können die CAR-Immunzellen direkt in den Bereich gegeben werden, in dem sich der Tumor befindet oder befunden hat.
Die Teilnehmenden erhalten zwei Gaben: eine direkt nach der Operation und eine weitere zwei Wochen später. So soll die Therapie genau dort wirken, wo sie gebraucht wird.
Sicherheit steht im Vordergrund
MIRACLE ist eine Phase-I-Studie. In dieser frühen Phase einer klinischen Prüfung geht es vor allem darum, die Sicherheit der neuen Therapie zu untersuchen und die geeignete Dosis für weitere Studien zu bestimmen. Zusätzlich prüft das Forschungsteam erste Hinweise darauf, ob die Behandlung das Tumorwachstum beeinflussen und das Immunsystem gegen den Krebs aktivieren kann.
Dafür werden unter anderem Blutproben, Flüssigkeit aus dem Reservoir und – wenn möglich – Tumorgewebe analysiert. So wollen die Forschenden besser verstehen, wie die Immunzellen im Körper wirken und wie sich die Immunlandschaft im Tumorbereich verändert. Auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten wird im Rahmen der Studie erfasst.
Weltweit erste Studie dieser Art
Beteiligt an der Studie sind Fachpersonen aus Neurologie, Neurochirurgie, Onkologie, Hämatologie und translationaler Forschung. Ziel ist es, einen Ansatz zu prüfen, der langfristig schneller verfügbar, breiter einsetzbar und möglicherweise wirksamer sein könnte als bisherige Zelltherapien bei Glioblastom.
“Diese Studie ermöglicht Glioblastom Patientinnen und Patienten Zugang zur weltweit ersten klinischen Studie mit multifunktionalen CAR-Immunzellen, die mehrere Immunzelltypen enthalten”
PD Dr. Dr. Tobias Weiss - Klinik für Neurologie, Universitätsspital Zürich.
Die Studie wird durch das CCCZ mit über CHF 2 Mio. gefördert. Das CCCZ unterstützt damit besonders innovative, interdisziplinäre Forschungsprojekte, die neue Wege in der Krebsmedizin eröffnen und langfristig zu besseren Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten beitragen sollen.
Ein Schritt hin zu neuen Behandlungsoptionen
Ob die neue Therapie den Krankheitsverlauf verbessern kann, wird in der klinischen Studie sorgfältig untersucht. Bereits jetzt zeigt MIRACLE jedoch, wie eng moderne Forschung, klinische Medizin und innovative Technologien zusammenarbeiten müssen, um neue Wege gegen besonders schwer behandelbare Krebserkrankungen zu entwickeln.
Für Patientinnen und Patienten mit wiederkehrendem Glioblastom eröffnet die Studie die Möglichkeit, Zugang zu einem neuartigen Behandlungsansatz zu erhalten – und gleichzeitig dazu beizutragen, die Krebsmedizin der Zukunft weiterzuentwickeln.
Institution
Universitätsspital Zürich
CCCZ Leuchtturmprojekte
Interdisziplinäre Forschungsteams übertragen Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und entwickeln neue Behandlungskonzepte gegen Krebs.