13.05.2026
Neue klinische Studie zu fortgeschrittenem Melanom in der Schweiz
Seit Juni 2025 läuft in Zürich im Rahmen eines internationalen Forschungsprogramms eine vielversprechende klinische Studie zur Behandlung von fortgeschrittenem Melanom – einer besonders aggressiven Form von Hautkrebs. Ziel der Untersuchung ist es, die Wirksamkeit einer neuen Kombinationstherapie zu prüfen und damit die Behandlungsmöglichkeiten für betroffene Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.
Melanom: Hoher Bedarf an neuen Therapien
Das Melanom zählt zu den häufigeren Krebsarten in der Schweiz und macht rund 4,1 % aller Neuerkrankungen aus. Während frühe Stadien oft gut behandelbar sind, stellt die Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium (Stadium III und IV) eine grosse medizinische Herausforderung dar. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt hier bei etwa 40 %, was den dringenden Bedarf an innovativen Therapieansätzen verdeutlicht.
Ein zentrales Problem besteht darin, dass fortgeschrittene Melanome häufig Resistenzen gegenüber bestehenden Therapien entwickeln. Zwar haben Immuntherapien in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gebracht, doch sprechen nicht alle Patientinnen und Patienten ausreichend darauf an. Neue Wirkstoffe und Kombinationen sollen daher gezielt dazu beitragen, die Immunantwort gegen Tumorzellen weiter zu verbessern.
Kombinationstherapie im Fokus
Im Zentrum der Studie steht die Kombination des neuen Wirkstoffs EIK1001 mit dem bereits etablierten Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab. Pembrolizumab wird bereits erfolgreich in der Behandlung verschiedener Krebsarten eingesetzt und wirkt, indem es bestimmte Bremsmechanismen des Immunsystems aufhebt. Dadurch können körpereigene Abwehrzellen Tumorzellen besser erkennen und bekämpfen.
EIK1001 befindet sich noch in der klinischen Entwicklung und verfolgt einen ergänzenden Ansatz: Der Wirkstoff soll die Aktivität des Immunsystems weiter steigern und so die Wirkung von Pembrolizumab verstärken. Die Hoffnung ist, dass diese Kombination zu einer stärkeren und nachhaltigeren Tumorbekämpfung führt als die bisherige Standardtherapie allein.
Studiendesign und Ablauf
Die klinische Studie ist als multizentrische, randomisierte und doppelblinde Phase-II/III-Studie konzipiert. Das bedeutet, dass die Teilnehmenden zufällig einer Behandlungsgruppe zugeteilt werden und weder sie selbst noch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte wissen, welche Therapie im Einzelfall verabreicht wird. Dieses Studiendesign gilt als Goldstandard, um verlässliche und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.
Insgesamt sollen rund 740 Patientinnen und Patienten in die Studie eingeschlossen werden.
Die Studie gliedert sich in mehrere Phasen: eine Voruntersuchung (Pre-Screening), die eigentliche Behandlungsphase sowie eine umfassende Nachbeobachtung. Während der Behandlung erhalten die Teilnehmenden entweder EIK1001 oder ein Placebo als Infusion, gefolgt von einer Gabe von Pembrolizumab.
Die ersten 27 Wochen sind durch engmaschige Kontrollen geprägt: In dieser Zeit finden wöchentliche Visiten statt, um die Sicherheit der Therapie und erste Behandlungseffekte genau zu überwachen. Anschliessend werden die Abstände zwischen den Terminen auf etwa drei Wochen verlängert. Auch nach Abschluss der Behandlung bleiben die Teilnehmenden im Rahmen von Follow-up-Untersuchungen in Kontakt mit dem Studienteam, um Langzeiteffekte und das Überleben zu erfassen.
Neue Chancen durch Studienteilnahme – sicher, innovativ, individuell begleitet
Die Studie richtet sich gezielt an Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Melanom, die bisher keine systemische Therapie erhalten haben. Ausgeschlossen sind unter anderem Personen mit bestimmten Melanomformen wie dem okulären Melanom oder solche, die kürzlich an anderen klinischen Studien teilgenommen haben. Ein zentrales Element ist die kontinuierliche Sicherheitsüberwachung: Neben der Wirksamkeit der Behandlung wird besonderer Wert darauf gelegt, mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln – unterstützt durch regelmässige Untersuchungen und einen strukturierten Follow-up.
Die Studie wird an mehreren Zentren, darunter in Chur und Zürich, durchgeführt und in der Schweiz von Dr. Egle Ramelyte am Universitätsspital Zürich geleitet. Gleichzeitig zeigt sie exemplarisch die Bedeutung klinischer Forschung am Comprehensive Cancer Center Zurich (CCCZ): Die Teilnahme an Studien ermöglicht Patientinnen und Patienten nicht nur Zugang zu modernsten Therapien, sondern bietet auch die Chance, frühzeitig von innovativen Behandlungsansätzen zu profitieren. Besonders bei komplexen Krankheitsverläufen kann dies neue Perspektiven eröffnen – bei gleichzeitig engmaschiger Betreuung durch interdisziplinäre Expertinnen und Experten.
Bedeutung für die Krebsforschung
Diese Studie hat das Potenzial, die Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms entscheidend zu verändern. Sollte sich die Kombination aus EIK1001 und Pembrolizumab als wirksam und sicher erweisen, könnte sie künftig als neue Erstlinientherapie etabliert werden.
Darüber hinaus liefert die Studie wichtige Erkenntnisse über das Zusammenspiel verschiedener immunologischer Mechanismen im Kampf gegen Krebs. Solche Erkenntnisse sind nicht nur für das Melanom relevant, sondern könnten auch auf andere Krebsarten übertragen werden.
Nicht zuletzt zeigt die Studie exemplarisch, wie klinische Forschung Innovation ermöglicht: Sie bietet Patientinnen und Patienten Zugang zu neuen Therapieoptionen und trägt gleichzeitig dazu bei, die medizinische Versorgung langfristig zu verbessern.
Studienleitung
Institution
Universitätsspital Zürich
Studien
Klinische Studien
Das CCCZ koordiniert ein umfassendes onkologisches Studienprogramm, um möglichst vielen Patient:innen Zugang zu innovativen Therapien zu ermöglichen.