8.07.2026

Ki 67 – warum ein bekannter Brustkrebs Marker wichtiger ist als bisher gedacht

Ki-67 gehört zu den am häufigsten verwendeten Biomarkern in der Brustkrebsdiagnostik. Seit Jahrzehnten nutzen Ärztinnen und Ärzte ihn, um abzuschätzen, wie aktiv ein Tumor wächst. Nun zeigt eine neue Studie unter der Leitung von Prof. Nicola Aceto und seinem Team an der ETH Zürich, dass Ki-67 eine umfassendere Rolle in der Brustkrebsprogression spielt als bisher angenommen.

Cancer On The Move

Illustration von Ella Maru Studio

Der Marker zeigt nicht nur an, wie schnell ein Tumor wächst – er fördert auch das Eindringen von Krebszellen in die Blutbahn sowie die Bildung von Metastasen. Diese Erkenntnisse könnten künftig helfen, besonders gefährliche Krebszellen präziser zu identifizieren und ihre Ausbreitung zu verhindern.

Was ist Ki‑67 – und was misst man damit?

Bei vielen Brustkrebspatientinnen und -patienten werden Gewebeproben routinemässig auf den sogenannten Ki-67-Proliferationsindex untersucht. Ki‑67 ist ein Protein im Zellkern, das anzeigt, ob sich eine Zelle aktiv teilt. Der Anteil der Tumorzellen, die Ki-67 exprimieren, liefert eine Einschätzung darüber, wie stark ein Tumor wächst – je höher der Ki-67-Wert, desto schneller wächst der Tumor.

Hohe Ki-67-Werte sind in der Regel mit einem aggressiveren Krankheitsverlauf verbunden und werden zusammen mit anderen klinischen und pathologischen Faktoren zur Therapieentscheidung herangezogen.

Bislang wurde Ki-67 vor allem als Marker für Zellproliferation betrachtet und weniger als Faktor, der das Verhalten von Zellen direkt beeinflusst.

Krebszellen im Blut

Damit Brustkrebs Metastasen bilden kann, müssen Krebszellen den Primärtumor verlassen, in Blutgefässe eindringen und über die Blutbahn in andere Organe gelangen. Diese Zellen werden als zirkulierende Tumorzellen (CTCs) bezeichnet. Sie treten entweder einzeln oder in kleinen Gruppen – sogenannten Clustern – auf, wobei Cluster ein besonders hohes Potenzial zur Bildung neuer Tumoren haben.

In der neuen Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Cell Reports, analysierten Forschende der ETH Zürich tausende Brustkrebszellen und stellten fest, dass Ki‑67 besonders häufig in CTC-Clustern vorkommt. Dies führte zu einer zentralen Frage: Könnte Ki-67 aktiv zur Ausbreitung von Krebszellen beitragen?

Ki‑67 ausschalten – und die Ausbreitung bremsen

Um dies zu untersuchen, entfernte Yongzhan Zhang gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Aceto-Labor an der ETH Zürich Ki-67 genetisch aus Brustkrebszellen in Mausmodellen. Anschliessend wurde beobachtet, wie sich dies auswirkt.

Überraschenderweise wuchs der Primärtumor weiterhin – jedoch gelangten deutlich weniger Krebszellen in die Blutbahn, und es bildeten sich signifikant weniger Metastasen. Ki-67 scheint somit zelluläre Programme zu unterstützen, die es Krebszellen erleichtern, zusammenzuhaften, in Blutgefässe einzudringen und Metastasen zu bilden.

Neue Ansatzpunkte für Therapien: CD47 und KLF4

Um besser zu verstehen, wie Ki‑67 diesen Prozess steuert, untersuchten die Forschenden Gene, die nachgeschaltet von Ki‑67 wirken. Dabei identifizierten sie zwei besonders wichtige Moleküle: CD47 und KLF4.

CD47 ist ein Oberflächenprotein, das unter anderem die Zell-Zell-Haftung fördert. KLF4 ist ein sogenannter Transkriptionsfaktor, der ebenfalls den Zusammenhalt von Zellen unterstützt. Fehlt Ki‑67, sind auch CD47 und KLF4 weniger aktiv – und Krebszellen verlieren die Fähigkeit, Cluster zu bilden und in Blutgefässe einzudringen. Werden CD47 oder KLF4 in Ki-67-defizienten Zellen künstlich reaktiviert, kehrt die Metastasierungsfähigkeit zurück.

Klinisch relevant

Diese Ergebnisse sind klinisch bedeutsam: Während Ki-67 selbst pharmakologisch schwer direkt angreifbar sein könnte, wird CD47 bereits als therapeutisches Ziel in frühen klinischen Studien untersucht.

Langfristig könnten Therapien, die gezielt CD47 oder KLF4 blockieren, dazu beitragen, die Ausbreitung von Brustkrebs frühzeitig zu verhindern – ein Ansatz, der gut zu den Zielen des CCCZ passt: Krebs nicht nur zu behandeln, sondern seine Ausbreitung an der Quelle zu stoppen.