10.07.2025

Fachbereich

Bewegung als Therapie: Das Projekt Cancer Move Continuum Schweiz (CMCS)

Das Projekt Cancer Move Continuum Schweiz (CMCS) etabliert qualitätsgesicherte Bewegungstherapie für Menschen mit Krebs– wohnortnah, individuell abgestimmt und interdisziplinär begleitet.

Physio Velo 002

Wenn Bewegung Teil der Behandlung wird

Dass körperliche Aktivität bei Krebs heilsam sein kann, ist wissenschaftlich belegt. Studien zeigen, dass gezielte Bewegungstherapie nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch die Nebenwirkungen der Therapie lindert, das Rückfallrisiko senkt und die Genesung fördert. Trotz dieser Erkenntnisse fehlt es vielerorts an strukturierten Angeboten, die Krebspatientinnen und Krebspatienten wohnortnah offenstehen.

Genau hier setzt das Projekt Cancer Move Continuum Schweiz (CMCS) an. Es wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, wohnortnahe, qualitätsgeprüfte Bewegungs- und Therapieangebote für Menschen mit Krebs zu schaffen – damit Patientinnen und Patienten dort unterstützt werden, wo sie leben. Der Anfahrtsweg soll kein Hindernis mehr sein, um von der positiven Wirkung von Bewegung zu profitieren.

Ein Netzwerk entsteht – unterstützt von Gesundheitsförderung Schweiz

Initiator des Projekts ist die Abteilung Physiotherapie und Ergotherapie am Universitätsspital Zürich. Aufbauend auf dem etablierten Programm «Bewegung und Sport bei Krebs» am CCCZ wurde die Idee eines nationalen Netzwerks entwickelt, das im Rahmen einer kompetitiven Ausschreibung der Gesundheitsförderung Schweiz zur Förderung ausgewählt wurde. Das Projekt läuft von 2024 bis 2027 und wird mit insgesamt CHF 1.74 Millionen finanziert, davon CHF 990’000.– durch Gesundheitsförderung Schweiz.

Das CMCS vernetzt Fachpersonen aus Sportmedizin, Physiotherapie, Ergotherapie, Sportwissenschaft, Onkologie und Pflege. Gemeinsam entwickeln sie individuelle, an die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten angepasste Bewegungspläne. Je nach Situation kann das Training Ausdauer-, Kraft- und Koordinationseinheiten umfassen oder auch sensomotorische und kognitive Übungen beinhalten. Unterstützt wird dies durch moderne leistungsdiagnostische Verfahren.

Was im CCCZ erprobt wurde, soll durch das CMCS in die Breite getragen werden – als neues Versorgungsmodell, das auf Interdisziplinarität, Qualität und wohnortnahe Umsetzung setzt.

Bewegung nahe am Alltag – für mehr Lebensqualität

Das Besondere am CMCS ist, dass es Betroffenen eine individuell abgestimmte Bewegungstherapie in ihrer eigenen Region ermöglicht. Die angeschlossenen Partnerinstitutionen – darunter regionale Spitäler, Rehabilitationszentren, Hochschulen und Praxen – verpflichten sich zur Einhaltung klar definierter Qualitätsstandards. Dadurch erhalten Patientinnen und Patienten eine Betreuung, die medizinisch fundiert und gleichzeitig gut in den Alltag integrierbar ist.

Gerade für viele Menschen mit einer Krebserkrankung ist die Kraft für weite Wege oft begrenzt. Das CMCS trägt diesem Umstand Rechnung: Es bringt die Therapie zu den Betroffenen – und nicht umgekehrt.

“Ich musste nicht mehr regelmässig für Behandlungen ins USZ reisen – das Training vor Ort hat mir enorm geholfen und meinen Alltag deutlich erleichtert.”

Fischer Enrico, 74 - Burg (AG)

Erfahrungen, die Mut machen

Viele Menschen, die bereits am Bewegungsprogramm des CCCZ teilgenommen haben oder durch das CMCS wohnortnah begleitet werden, berichten von spürbaren Verbesserungen im Alltag. Sie fühlen sich weniger erschöpft, beweglicher, stabiler – körperlich wie emotional. Oft gewinnen sie durch die regelmässige Bewegung auch wieder Vertrauen in ihren Körper und in ihre Lebensgestaltung zurück.

“Ich konnte meinem Körper wieder vertrauen – das Bewegungsprogramm gab mir Kraft und Selbstbewusstsein zurück. Die Bewegungstherapie hat mir nicht nur körperlich geholfen, sondern mir auch meine Lebensfreude zurückgegeben.”

Isabella Alberini, 52 - Zürich

Mehr als Training: ein interdisziplinärer Ansatz

Jetzt zählt die Umsetzung – für mehr Teilhabe und Reichweite

Das Netzwerk steht – jetzt geht es darum, das CMCS effizient, gezielt und nachhaltig umzusetzen. Denn nur wenn möglichst viele Institutionen das Konzept übernehmen, können auch möglichst viele Krebspatientinnen und -patienten davon profitieren. Die Herausforderung besteht darin, bestehende Strukturen sinnvoll zu ergänzen, neue Partner zu gewinnen und gemeinsam ein schweizweites Versorgungsangebot zu etablieren.

Die wohnortnahe Bewegungstherapie soll keine Ausnahme, sondern die Regel sein. Dafür braucht es Engagement auf allen Ebenen: in der Klinik, in der Rehabilitation, in der Praxis – und im Dialog mit Betroffenen. Das CMCS lädt dazu ein, Teil dieser Bewegung zu werden: als Partnerinstitution, als Zuweiserin oder Zuweiser – oder als Patientin oder Patient, der oder die aktiv zur eigenen Genesung beitragen möchte.

“Damit aus dem Pilotprojekt ein nachhaltiges Versorgungsmodell wird, braucht es beides: den Schulterschluss aller Beteiligten – von Kliniken, Praxen, Zuweisenden und Patient*innen – und die systematische Erhebung von Gesundheitsdaten. Nur so können wir die Qualität und Wirksamkeit des CMCS belegen und die Kostenträger überzeugen, Bewegungstherapie als festen Bestandteil der onkologischen Versorgung zu verankern.”

Nicola Greco - Co-Projektleitung CMCS

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Fragen oder Anmeldungen zur Therapie

Für Fragen oder Anmeldungen zur Therapie steht das Team der Physiotherapie und Ergotherapie des Universitätsspitals Zürich zur Verfügung. Interessierte benötigen eine ärztliche Verordnung.